I just had sexism

Weltfrauentag – Sexismus am und im Theater

Theater verstehen sich als weltoffene, tolerante und aufgeklärte Räume. Hier werden gesellschaftliche Diskussionen aufegriffen und debattiert. Doch leider werden die Institutionen an sich ihrem eigenen Anspruch oft nicht gerecht. Sexismus, Rassismus, Diskriminierung sind viel zu häufig an den großen Häusern anzutreffen, die streng hierarschich organisiert sind und wo es für einzelen Gruppen gar nicht so einfach, wenn nicht gar unmöglich ist, die Karriereleiter aufzusteigen.

Vor allem, was Frauen im Theater angeht, will ich mir heute genauer anschauen.

Frauen in Kultur und Medien

Im Jahr 2016 erschien die Studie des deutschen Kulturrats zu „Frauen in Kultur und Medien“. Die wichtigsten Ergebnisse für den Theaterbetrieb fasse ich hier kurz zusammen:

Innerhalb der Kunst und der Kunstwissenschaften sind die Studierenden an den Hochschulen überwiegend weiblich. Insbesondere auch in den Bereichen Darstellende Kunst, Film und Fernsehen, Theaterwissenschaft, Gestaltung und Bildende Kunst sind mehr Frauen als Männer verteten. Schauen wir auf die andere Seite, die Leitung der Kunsthochschulen, liegt der Frauenanteil allerdings im Jahr 2014 unter 5%. Frauen sind an diesen Hochschulen dafür mehrheitlich verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (über 65%).

Wenn so viele Frauen in diesen Bereichen studieren, müssten dann doch auch so viele Frauen später an Kulturinstitutionen arbeiten, oder? Naja …
Zwischen 1994 und 2014 ist der Anteil der beschäftigten Frauen an Theatern zwar gestiegen, liegt aber 2014 immer noch nur bei 44%. Das ist aber doch fast die Hälfte, möchte man sagen. Doch so einfach ist es nicht – denn der Anteil in den verschiedenen Berufsgruppen ist äußerst ungleich verteilt. Den höchsten Frauenanteil finden wir bei den Souffleusen (ganze 80%), den geringsten bei den Bühnenleitungen und den Musikvorständen (22% Frauen). Und auch in der Regie sind es nur 30% Frauen.

Ebenfalls problematisch ist die Herkunft der Stoffe, die auf deutschen Bühnen aufgeführt werden: gerade einmal knapp 25% aller im deutschsprachigen Raum aufgeführter Werke stammen von Autorinnen bzw. Komponistinnen.

Meiner Meinung nach sprechen diese Zahlen eindeutig für eine gläseren Decke für Frauen innerhalb der Theaterhierarchien. Was unternehmen wir jetzt?

fight sexism

Quoten, Quoten, Quoten

Als Antwort auf diese Studie gründete sich im Jahr 2017 der Verein Pro Quote Bühne. Wie der Name schon sagt, setzt er sich ein für eine paritätische Besetzung an Theater, vor allem in Leitungspositionen und in der Regie. Außerdem wollen die Mitglieder gegen das Gender Pay Gap vorgehen. Der wurde in der Studie zwar nicht behandelt, allerdings liegt er je nach Berufsgruppe am Theater zwischen 28 und 36%. Also eine ganze Menge.

… und in der Praxis?

Anna Bergmann startete in der Spielzeit 2018/19 am Staatstheater Karlsruhe als Schauspieldirektorin ein bemerkenswertes Projekt: 100% Frauenquote in der Regie. Ein nicht unumstrittenes Vorhaben. Es gibt einige Bedenkenträger, die der Meinung sind, die Kunst würde leiden, wenn ein/e RegisseurIn nicht nach Können ausgewählt wird, sondern nach Geschlecht. Bergmann selbst sagt dazu:

„Ich denke, dass Frauen anders erzählen. Sie werfen andere Blicke auf den Stoff, auf Besetzungen, sie haben andere Relevanzgedanken. Das alles gehört schlichtweg vertreten.“

Ein zusätzliches Problem ist außerdem, dass die Verinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen immer noch schwieriger ist als für Männer. Das gilt für fast alle Berufe, doch besonders das Theater, das quasi grenzenlose Flexibilität verlangt, macht die Familiengründung nicht gerade einfacher. Während in anderen Unternehmen z.B. Kinderbetreuung während der Arbeitszeiten bereits Gang und Gäbe ist, können Angestellte an Theatern davon nur träumen.

Smash the Patriarchy, Demoplakat

Sexismus und Machtmissbrauch: #metoo

Und zuletzte – natürlich – #metoo: Der große Aufschrei über sexuellen Missbrauch und übergriffiges Verhalten hat auch vor den deutschen Theatern nicht halt gemacht. Einige Regisseure und Intendanten mussten sich den Vorwürfen des Missbrauchs stellen, welcher nicht zuletzt durch das große Machtgefälle verschärft wurde.

Anfang 2018 meldet sich der Deutsche Bühnenverein insbesondere zu diesem Thema (endlich) zu Wort. Und zwar mit einem offenen Brief an das Onlinemagazin nachtkritik.de, welches vorher Kritik am Schweigen des Bühnenvereins geübt hatte. Man beteuerte, es gäbe einige Bemühungen, die Missstände zu bereinigen. Unter anderem wurde eine Arbeitsgruppe zur Geschlechtergerechtigkeit gegründet. Diese soll sich mit Gagengerechtigkeit und Familienvereinbarkeit beschäftigen.

… und die Folgen

Am 09.06.2018 verabschiedet der Bühnenverein dann auch seinen „Wertebasierten Verhaltenskodex zur Prävention von sexuellen Übergriffen und Machtmissbrauch“. Darin stehen dann unter anderem Dinge wie: „-direkte/indirekte Drohung mit Nachteilen für die Ablehnung von Avancen/ -Versprechen von Vorteilen für sexuelle Zugeständnisse“ sind nicht gestattet. Außerdem: „Ich verhalte mich respektvoll gegenüber allen, unabhängig von Geschlecht, Alter, Religion, Behinderung, Herkunft und sexueller Orientierung.“

Dass man das diese Dinge überhaupt extra festhalten muss, spricht eigentlich schon Bände …


Was meint ihr zu dem Thema? Quote – ja oder nein? Und warum?

Quellen:

https://www.kulturrat.de/wp-content/uploads/2016/12/Frauen-in-Kultur-und-Medien.pdf

https://www.swp.de/unterhaltung/kultur/ueber-sexismus-am-theater-_-ein-interview-mit-angelika-zacek-24530964.html

https://www.derstandard.de/story/2000077619030/sexismus-im-theater-die-technik-sagt-zuerst-mal-pipi-was

http://www.buehnenverein.de/de/pressemeldungen.html?det=504&from_search=1

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