Mehr Liebe auf dem Theater!

Mehr Liebe auf dem Theater – ein Plädoyer

Disclaimer: Alle Aussagen entsprechen meiner persönlichen Wahrnehmung, es gibt hier keine empirische Grundlage.

Liebe – gerade heute am Valentinstag ist sie überall um uns herum. In Hollywoodstreifen, in der Werbung und in der Musik werden wir ständig damit konfrontiert und überschüttet. Love is everywhere.

Doch was ist eigentlich mit dem Theater?

Stehen Kanonstücke auf dem Spielplan, sehen wir viele klassische Liebesbeziehungen. Klassisch und vor allem sehr platt. Es sind Beziehungen zwischen einem Mann und einer Frau. Der Mann sucht die Frau aus – die Frau sagt ja. Oder nein, aber dann geht es meistens nicht gut aus. In Komödien, wie z.B. Leonce und Lena gibt es ein Happy End, die Hochzeit. Als wäre eine Hochzeit grundsätzlich ein Happy End … Zwischen zwei sich aufrichtig Liebenden. (Wie sehr die wahre Liebe auf das genannte Beispiel zutrifft, sei mal dahingestellt.)
In der Tragödie, stirbt meistens einer von beiden, oft die Frau, manchmal aber auch beide. Weil die Liebe verboten ist, unerwidert oder einfach zu viele Hürden das Paar von ihrer ewigen Glückseligkeit abhalten.

Und die zeitgenössische Dramatik? Natürlich gibt es auch hier Liebesbeziehungen. Und die folgen nicht mehr immer dem klassischen Muster, das wir aus anderen Stücken kennen.

Im Großen und Ganzen aber fehlt es in meiner Wahrnehmung doch noch sehr an der Liebe auf der Bühne. Und das in zwei Hinsichten.

Diversität

Ich vermisse queere Liebe auf den deutschen Theatern. Überwiegend sehen wir Mann-Frau-Beziehungen, die monogam geführt werden (müssen). Noch dazu werden dem Publikum vor allem veraltete Rollenbilder vorgeführt: Der Mann, der hinaus in die Welt geht, um sein Land zu verteidigen, seine Familie zu ernähren oder um seine Ehre zu kämpfen. Die Frau währenddessen, die daheim bleibt, die Kinder hütet, liest, strickt, musiziert, die vor allem gut aussieht und den Mund hält. (Im Übrigen auch ein Grund dafür, dass Frauenrollen meistens sehr undankbar sind für die Schauspielerinnen, aber das ist ein anderes Thema.)

Wo sind die ganzen schwulen Paare, die lesbischen Paaren? Die polyamourösen Beziehungen? Transsexualität? Da gibt es noch so eine große Bandbreite, die von der Mehrheit der öffentlichen Theater einfach nicht wahrgenommen wird. Oder nicht wahrgenommen werden möchte?

Der Vorwurf ist schnell gemacht, das Gegenargument kommt sicherlich prompt: Die Stoffe existieren nicht. Ja und? Dann schreiben wir sie uns eben selbst! Gerade öffentliche Theater sind natürlich zu einem großen Teil an die Publikumsvorlieben gebunden, das heißt auch, an die Stücke des Kanons. Aber wieso denn nicht umschreiben?
Wie wäre es denn mit Effi Briest, die statt einer Affäre mit Major Crampas, eine Affäre mit einer Frau aus der Gesellschaft beginnt? Könnte Heinrich Faust sich nicht ebenso gut in einen jungen Mann verlieben und statt ihn zu schwängern – was zugegebenermaßen eine Meisterleistung wäre – ihn mit HIV anstecken. Oder so. Werther, Lotte und Albert hören mal auf so verkrampft zu sein und versuchen es mit einer offenen Dreierbeziehung.

Ich spinne rum, natürlich. Jeden dieser Vorschläge müsste man genau auf seine dramaturgische Stringenz hin prüfen und die Handlung gegebenenfalls deutlich mehr ändern. Aber wieso denn nicht? Mehr Experimente. Mehr Diversität. Mehr Liebe!

Alltägliche Liebe

Das zweite Problem, das ich mit der Liebe auf den deutschen Bühnen habe, ist, dass es ihr an Alltäglichkeit fehlt. Immer geht es nur um die besonderen Beziehungen, die verboten sind, gefährdet oder was auch immer. Wenn das Theater die Lebenswirklichkeit der Menschen, seiner Zuschauer, abbilden will, dann muss das auch in diesem Themenbereich passieren. Immer nur Morde oder Selbstmorde aus Liebe, gesponnene Intrigen zur Eroberung des/der Angebeteten oder erzwungene Happy Ends – ich möchte das nicht mehr sehen.

Ein meiner Meinung nach gutes Gegenbeispiel ist der Film, welcher auch erfolgreich für das Theater adaptiert wurde, „Szenen einer Ehe“ von Ingmar Bergmann. Denn in der Wirklichkeit scheitert Liebe nicht unbedingt an Tragödien und Intrigen, sondern ganz einfach an ihrer Alltäglichkeit.


Mehr Alltäglichkeit, mehr Diversität. Mehr Liebe auf der Bühne – und so bestimmt auch mehr Liebe im Publikum für das, was es da sieht.

Hat dir der Artikel geholfen?

Durchschnittliche Bewertung 0 / 5. Anzahl der Bewertungen 0

Sei der erste, der diesem Artikel eine Bewertung gibt.

Tut mir leid, dass dir der Artikel nicht weitergeholfen hat.

Was hat dir gefehlt? Oder hat dir etwas nicht gefallen? Lass es mich wissen, damit ich meinen Blog verbessern kann.

Hilfreich? Dann speichere diesen Beitrag für später oder teile ihn mit deinen Freunden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.