Leonce und Lena im Unterricht

Dramen im Deutschunterricht zu besprechen, ist oft sehr öde, vor allem für die SchülerInnen. Und mühsam – für beide Seiten. Warum ist das so? Und muss das so sein?

Das Problem bei der Besprechung von Dramen ist meines Erachtens, dass vor allem der Praxisbezug fehlt. Dramen sind Texte, die geschrieben wurden, um gespielt zu werden. Sie sind nicht eindimensional. Deswegen hat es herzlich wenig Sinn, sie im Deutschunterricht nur zu lesen – dann fehlt nämlich eine ganze Ebene des Stücks. So viele Eindrücke, die eine Inszenierung vermitteln kann, die beim reinen Lesen einfach fehlen: sehen, hören, fühlen …

Ausschnitt aus "Leonce und Lena"

Konsequenterweise müsste also mit jedem Drama, das im Unterricht gelesen wird, ein Theaterbesuch einhergehen. Leider ist das in der Realität so gut wie nie möglich, denn die Theater können ihre Spielpläne schließlich nicht nur auf den Lehrplan abstimmen, dann würde ja gar nichts Neues mehr gespielt werden. Aber zum Glück leben wir ja im 21. Jahrhundert! Es gibt massenhaft Mitschnitte von Theateraufführungen, oft sogar online frei zugänglich. Viele bekannte Stücke sind sogar verfilmt worden.*

Es muss auch gar nicht immer zwangsläufig das komplette Stück sein. Einige Ausschnitte und Szenen tun es auch – es geht ja vor allem darum, dass die SchülerInnen ein Gefühl dafür bekommen, wie so ein toter Text lebendig werden kann auf einer Bühne.

*Eine Inszenierung am Theater ist einem Kino- oder Fernsehfilm aber immer vorzuziehen. Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, muss vorher deutlich klar gemacht werden, dass Theater und Film zwei verschiedene Dinge sind, die unterschiedlich gehandhabt werden müssen.

Spannender Deutschunterricht am Beispiel Leonce und Lena

Leonce und Lena von Georg Büchner bietet eine Vielzahl von Themen auf einmal an, die für junge Menschen interessant sein können: Liebe, Langeweile, Melancholie, Abenteuerlust … Und dann ist das Ganze auch noch in einer Komödie verpackt, sodass es mit Sicherheit viel zu lachen gibt. Allein die Namen der Königreiche Pipi und Popo sollten pubertierende SchülerInnen zum schmunzeln bringen.

Das ist schonmal eine Grundlage, würde ich sagen. Jetzt zum praktischen Teil:

Klar kann – und sollte – man die SchülerInnen Charakteristiken und Interpretationen schreiben lassen, Gesprächsanalysen und Eröterungen, alles wichtig, alles richtig. Bei der Besprechung von Dramen sollte es meiner Meinung nach allerdings vor allem auch darum gehen, die praktische theatrale Umsetzung näher zu bringen.

Thema der Inszenierung

Gerade bei einem Stück wie Leonce und Lena, das mindestens 17 Themen gleichzeitig anspricht, bietet sich diese Fragestellung an. Welches Thema sollte im Vordergrund einer Inszenierung stehen? Die SchülerInnen könnten sich überlegen, welches der Themen sie selbst am meisten interessiert. Wie könnte das in einer fiktiven Inszenierung umgesetzt werden? Müssten einzelne Szenen besonders hervorgehoben, andere gestrichen oder geändert werden? Sollten dafür einzelne Charakterzüge von Figuren besonders betont werden? Schlägt sich das Thema im Bühnenbild und den Kostümen nieder?

Ausschnitt aus "Leonce und Lena"

Szenen-Konzept

Aufgrund der Überlegungen zum Thema kann dann ein Konzept für eine Szene entwickelt werden: wie sollte z.B. das erste Aufeinandertreffen von Leonce und Lena inszeniert werden? Wie sind ihre Kostüme gestaltet, wie sieht das Bühnenbild aus? Spielen die beiden eher natürlich oder ist alles komplett übertrieben dargestellt?

Ich persönlich habe es früher immer gehasst, wenn unsere Lehrerin uns angehalten hat, eine Szene zu spielen. Allein deswegen schon würde ich das nicht vorschlagen. Aber auch noch aus einem anderen Grund: So lernen die SchülerInnen gleichzeitig, ihre Ideen zu erläutern und verständlich darzulegen. Zwei Fliegen mit einer Klappe.

Eine andere Szene, die deutlich mehr Spaß macht, wäre der König und sein Staatsrat (1. Akt, 2. Szene)

Figurendarstellung

Eine andere Aufgabe wäre die Darstellung einzelner Figuren: Was für ein Charakter ist König Peter? Wie sieht er aus, wie alt ist er, wie redet er, welche Gesten nutzt er? Und so weiter …

Und um wieder zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: aus den Ergebnissen kann die Klasse eine Charakterisierung schreiben.

Ausschnitt aus "Leonce und Lena"
Die Einführung des Königs in der zweiten Szene, ist eine der besten und komischsten im Stück.

Der Theaterbesuch

Wenn die SchülerInnen sich jetzt ausreichend mit ihren eigenen Ideen beschäftigt haben, ist es an der Zeit, eine „professionelle“ Auseinandersetzung mit dem Text zu sehen. Also ab ins Theater. Oder eben, wie oben schon gesagt, eine Videoaufnahme anschauen, vielleicht auch nur einzelne Ausschnitte.

Von Leonce und Lena findet man auf Youtube zwei komplette Mitschnitte:

Danach können z.B. folgende Fragen beantwortet werden:

  • Wie wurde das Stück dort umgesetzt? Welches Thema war im Fokus?
  • Was gibt es zu Bühne, Kostüm, Spielweise zu sagen?
  • Wie wurden die Figuren dargestellt? (Alter, Körperbau, Mimik und Gestik, Sprechweise …)

Und zu guter Letzt, kann das Gesehene mit den eigenen Ideen verglichen werden.

Wichtig zu erwähnen, finde ich außerdem, dass diese eine Inszenierung nicht richtiger ist, als das, was die SchülerInnen sich selbst überlegt haben. Es gibt unzählige Inszenierungen und so verschiedene Ansätze – (fast) alle sind gut und haben ihre Berechtigung.


Das waren also ein paar meiner persönlichen Ideen, wie man im Deutschunterricht über Dramen sprechen könnte. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, am wichtigsten sollte aber immer sein, ein Drama nicht bloß als Text zu behandeln, sondern alle seine Dimensionen miteinzubeziehen.

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