Beitragsbild Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe
Johann Wolfgang von Goethe

Wer an deutsche Literatur denkt, denkt wahrscheinlich mit als erstes an Goethe. Und das nicht zu Unrecht. Goethe war in seinem – für damalige Verhältnisse – langen Leben unglaublich produktiv. Er hat eine beeindruckende Liste an literarischen, aber auch naturwissenschaftlichen, Werken zu Papier gebracht und war dabei in jeglicher Hinsicht innovativ.

Goethe kommt vermutlich dem, was man im Sturm und Drang ein Universalgenie nannte, am nächsten.

Goethe: eine lange Biographie

1749 – geboren in Frankfurt am Main als Sohn einer Bürgerfamilie

Sein Vater ist gelernter Jurist, aber nicht als solcher tätig, da ein ausreichendes Erbe seinen Lebensunterhalt sichert. Auch seinem Sohn wird dieses Geld ein sorgenfreies Leben ermöglichen.

Schule und Studium

1756-58 – Besuch einer öffentlichen Schule, danach Unterricht zu Hause durch den Vater und insgesamt 8 Hauslehrer

Fächer waren u. a. Latein, Griechisch, Hebräisch, Französisch, Italienisch, Englisch und Jiddisch, Naturwissenschaften, Religion, Zeichnen.
Achja, Klavier, Cello, Reiten, Fechten und Tanzen lernt er auch noch.

1765-68 – Jurastudium in Leipzig

Nicht unbedingt aus eigenem Antrieb, sondern eher vom Vater gezwungen. Deswegen ist es wohl nicht verwunderlich, dass er dieses Pflichtstudium bald schleifen lässt und stattdessen lieber die Poetikvorlesung von Christian Fürtchegott Gellert besucht.
Krankheitsbedingt geht er drei Jahre später wieder zurück nach Frankfurt in sein Elternhaus – ohne Abschluss.

1770 – Fortsetzung des Jurastudium in Straßburg

Er macht die Bekanntschaft von Johann Gottfried Herder, die wegweisend für spätere Werke ist.

1771 – Dissertation über das Verhältnis von Staat und Kirche

Seine Thesen werden als skandalös und Goethe selbst als wahnsinniger Religionsverächter betitelt, den Doktortitel hatte er damit verspielt.

Erste literarische Erfolge

1772 – Praktikum beim Reichskammergericht in Wetzlar

Wieder nicht seine eigene Idee, sondern vom Vater gedrängt. Dementsprechend mager fallen seine Studien auch diesmal aus.

1773 – Veröffentlichung des Götz von Berlichingen

Das Stück ist ein riesiger Erfolg und wird im Nachhinein als nichts weniger als die Geburtsstunde des Sturm und Drang bekannt.

1774Die Leiden des jungen Werther

Der Briefroman, der viele autobiographische Züge enthält, macht in quasi über nacht in ganz Europa berühmt.

Goethe in Weimar, die ersten Jahre

1775 – nach der gelösten Verlobung mit Lili Schönemann reist Goethe voller Liebeskummer auf die Einladung des Herzogs Carl August hin nach Weimar.

Weimar war zu diesem Zeitpunkt durch das Wirken der Herzoginmutter Anna Amalia ein kulturelles Zentrum, Goethe war bereits berühmt und der gerade einmal 18-jährige Herzog Carl August wollte unbedingt einen gelehrten Vertrauten. Also tat er alles, damit Goethe blieb und bot ihm u.a. einen Regierungsjob an. Wer sagt da nein?

1780 – Beitritt zur Freimaurerloge „Amalia“

Beginnt zusätzlich mit naturwissenschaftlichen Studien, zuerst vor allem Geologie, Mineralogie, Botanik und Osteologie

1782 – Ernennung zum Finanzminister und gleichzeitig zur Aufsichtsperson der Universität Jena.

Außerdem wird er in diesem Jahr in den Adelsstand erhoben. Für alle, die sich gewundert haben: Ab jetzt heißt er also „von Goethe“

1786 – Goethe realisiert, dass er in den letzten 10 Jahren nichts Dichterisches veröffentlicht hat und gerät darüber in eine tiefe Krise.
Die Lösung: eine Bildungsreise nach Italien, die für sein gesamtes Umfeld äußerst überraschend kommt.

Friedrich Schiller, die Französische Revolution und Kriegserfahrung

1788 – Rückkehr nach Weimar

Hier trifft er Christiane Vulpius, die erst seine Geliebte, dann seine Lebensgefährtin wird.

Auch die erste persönliche Begegnung mit Friedrich Schiller findet in diesem Jahr statt: Die beiden verstehen sich auf Anhieb nicht besonders gut. Schiller zweifelt sehr daran, dass sie sich jemals besonders nah sein werden.

1789 – Geburt seines Sohnes August

Zweite Italienreise

Französische Revolution: Im Gegensatz zu anderen gelehrten Zeitgenossen verfällt Goethe nicht in Jubelausbrüche. Er ist vielmehr für allmähliche Reformen statt einer gewaltvollen Revolution, wie sie in Frankreich stattfindet.

1791 – Gründung des Weimarer Hoftheaters, Goethe übernimmt die Direktion. Wie nicht anders zu erwarten führt er es patriarchalisch und mit eiserner Hand.

1792 – Goethe folgt dem Herzog in den ersten Koalitionskrieg gegen Frankreich

1793 – Erneuter Fronteinsatz in Mainz

Als Folge der Revolutions- und Kriegserlebnisse entstehen verschiedene Werke, darunter Der Bürgergeneral und Reineke Fuchs

1794 – Goethe lädt Schiller zu einem längeren Besuch in Weimar ein. Hier wird der Grundstein für eine engere Beziehung gelegt .
Unter anderem wird Goethe Mitherausgeber der von Schiller erdachten Literaturzeitschrift Horen.

1805 – der Tod Schillers stürzt Goethe erneut in eine tiefe Krise, er geht sogar so weit zu sagen, dass mit Schiller eine Hälfte seines Selbst gestorben sei.

Die letzten Jahre

1808 – Es erscheint eine achtbändigen Gesamtausgabe Goethes Werke. Diese enthält zum ersten Mal den kompletten ersten Teil des Faust, an dem er inzwischen mehrere Jahrzehnte gearbeitet hat.

1809Die Wahlverwandtschaften

1810 – Die von ihm veröffentliche Farbenlehre (mit der er sich auch an die 20 Jahre beschäftigt hatte) wird in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Das kränkt den Dichter.

1811 – Er beginnt mit der Arbeit an der Autobiographie Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit.

1814 – In Wiesbaden trifft Goethe einen Jugendfreund wieder. Dessen Pflegetochter Marianne Jung wird seine Muse, die ihm unter anderem beim Schreiben des West-östlichen Divans hilft. Fertiggestellt wird das Werk aber erst vier Jahre später von ihm allein.

1816 – Tod seiner Frau Christiane

1817 – Rückzug vom Theater

1818 – Goethe wird Mitglied in der Leopoldina, eine der renommiertesten naturwissenschaftlichen Gesellschaften.

1830 – Tod seines Sohnes August

Er schließt den zweiten Teil des Faust ab.

1832 – Tod in Weimar

Goethe und die Frauen

1770 – Es zeichnet sich hier bereits ab, dass Goethe Bindungsängste hat und Frauenherzen brechen wird. Während seiner Zeit in Straßburg pflegt er eine Beziehung mit Friederike Brion. Als sein Studium beendet ist und er zurück nach Frankfurt geht, beendet er das Ganze. Mit einem Brief. Aus Frankfurt.

1772 – In Wetzlar verliebt er sich in Charlotte Buff, welche bereits verlobt ist. Er wird ein regelmäßiger und willkommener Gast in ihrem Haus, muss aber bald einsehen, dass sie seine Liebe nie erwidern wird. Eine erwachsene Reaktion: Er verlässt Wetzlar mit wehenden Fahnen.

1775 – Verlobung mit Lili Schöneman, zur Heirat kommt es aber nie. Goethe schiebt Gründe vor, wie die unterschiedlichen Milieus und Konfessionen der Familien. Er bricht zu einer Reise in die Schweiz auf (will sich da etwa wieder jemand aus dem Staub machen?) und erhält dort einen Brief von Lilis Mutter, in dem sie die Verlobung löst.

Während der gesamten Zeit in Weimar ist die sieben Jahre ältere Charlotte von Stein seine engste Freundin und Vertraute. Man munkelt, dass Goethe auch sexuelle Gefühle für sie hat, aber die Verheiratete ist nur an einer platonischen Beziehung interessiert. Trotzdem: Wessen Herz wird wohl am Ende gebrochen? Bereits als Goethe zu seiner Italienreise aufbricht leidet die Freundschaft darunter.
Nach Beginn der Beziehung mit Christiane Vulpius wendet von Stein sich eifersüchtig von Goethe ab. Die Beziehung ist für sie ein Vertrauensbruch.

1806 – Endlich heiratet er Christiane Vulpius, der bisher der Zugang zur Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte verwehrt geblieben ist, weil sie nicht aus einer standesgemäßen Familie stammt.

1807 – trotz der Eheschließung zeigt er offen amouröse Neigungen der 18-jährigen Minna Herzlieb gegenüber. Was ein charmanter Mann …

Wichtige Werke (was man kennen sollte)

Dramen

  • Götz von Berlichingen (1773)
  • Iphigenie auf Tauris (1787)
  • Torquato Tasso (1790)
  • Faust I (1808)
  • Faust II (1832 postum)

Romane und Novellen

  • Die Leiden des jungen Werther (1774, 2. Fassung 1787)
  • Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795/96)
  • Die Wahlverwandtschaften (1809)

Lyrik

  • Prometheus (1774)
  • Willkommen und Abschied (1789)
  • Wandrers Nachtlied (1780)
  • Der Erlkönig (1782)
  • Der Zauberlehrling (1797)

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