Bertolt Brecht

Bertolt Brecht, Portait
(c) Kolbe, Jörg; Deutsches Bundesarchiv

Bertolt Brecht gehört zu den zentralen Figuren der deutschen Dramen- und Theatergeschichte. Mit seinem epischen Theater und den Lehrstücken hat er für seine Zeit neue Formen geschaffen, er hat Experimente gewagt mit Video, Musik und neuen Bühnenkonstruktionen. Und das alles, obwohl sein Leben und sein Schaffen zeitweise sicherlich schwierig und anstrengend waren. Als ein Schriftsteller, der sich nicht einfach so mit den neuen politischen Verhältnissen des Nationalsozialismus abfinden wollte, hat er lange Zeit im Exil gelebt, aber auch dort immer weiter politische und gesellschaftskritische Stücke geschrieben.

Brecht – eine Biografie

10.02.1898 geboren in Augsburg

1917 legt er das sogenannte Notabitur ab, was in Kriegszeiten durchaus üblich war. Vom Kriegsdienst blieb er aber verschont.

Einschreibung an der Philosophischen Fakultät in München: etwas später beginnt er außerdem ein Medizinstudium, um der Einberufung weiterhin entgehen zu können. Ab Kriegsende ist er aber kein besonders ehrgeiziger Student mehr, sondern seine literarische Ambitionen werden wichtiger

Weimarer Republik

1918 Novemberrevolution:
Brecht hält Distanz zur Bewegung, da er zu diesem Zeitpunkt noch keine gefestigte politische Meinung vertritt
Die Ereignisse bilden aber den Hintergrund zum Stück Trommeln in der Nacht

Es folgen mehrere Aufenthalte in Berlin, der kulturellen Metropole der Weimarer Republik. Hier arbeitet er zunächst als Dramaturg und Regisseur und versucht, seine eigenen Stücke auf die Bühne zu bringen.
Er knüpft Kontakte zu anderen Kulturschaffenden und inszeniert sich selbst als proletarischen Außenseiter. Er bezieht klare Position gegen die bourgeoise Literatur- und Theaterlandschaft.

1922 Uraufführung von Trommeln in der Nacht in München, später am Deutschen Theater Berlin
Für das Stück erhält er den Kleist-Preis.

1923 Uraufführung von Im Dickicht (später Im Dickicht der Städte) in München
Aufgrund gewalttätiger Proteste von Nationalsozialisten muss das Stück schnell wieder abgesetzt werden.

1924 zieht Brecht endgültig um nach Berlin.

1926/27 wendet er sich definitiv zum Marxismus. Vollkommen linientreuer Kommunist war er aber niemals, er tritt auch nicht der KPD bei.

1927 wird seine erste Lyriksammlung Bertolt Brechts Hauspostille veröffentlicht.
Das Werk beschert ihm die Bekanntschaft von Kurt Weill, welcher aufgrund der Mahagonnygesänge ein Songspiel geschaffen hat. Schnell folgt eine fruchtbare Zusammenart zwischen Brecht und Weill: bekannt ist v.a. Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (1929) und Die Dreigroschenoper (1928).

In den letzten Jahren der Weimarer Republik entwicklung Brecht die sogenannten Lehrstücke.

Exil

1933 bringt die Machtergreifung der Nationalsozialisten Brecht in akute Gefahr, da er sich durch seine Stücke und seine politische Haltung schon lange bei den Rechten unbeliebt gemacht hatte.

27. Februar 1933 Reichstagsbrand
Brecht verlässt einen Tag später Berlin und reist mit seiner Frau Helene Weigel nach Prag. Über Wien, die Schweiz und Paris erreichen sie schließlich Dänemark. Hier bleibt er für sechs Jahre.

Schwierigkeiten des Exils: der deutscher Literatur- und Theaterraum sowie sein Publikum sind jetzt für Brecht verschlossen. Vor allem die praktische Arbeit an seinen Stücken kann er unter diesen Umständen nicht fortführen.
Ab Kriegsbeginn gilt dies für ganz Europa, mit Ausnahme der neutralen Schweiz. Das Zürcher Schauspielhaus spielt in den Kriegsjahren Mutter Courage und ihre Kinder, Der gute Mensch von Sezuan und Leben des Galilei.

1933-1940 sind dennoch sehr produktive Jahre: Der Zwang zur Auseinandersetzung mit dem deutschen Faschismus ist für Bertolt Brecht ein literarischer Ansporn.
1934 Dreigroschenroman sichert für einige Jahre sein Auskommen.
Die Rundköpfe und die Spitzköpfe wird in Kopenhagen in dänischer Sprache uraufgeführt.
Gedichtband Lieder Gedichte Chöre
1937: Die Gewehre der Frau Carrar (beschäftigt sich mit dem spanischen Bürgerkrieg)
1938: Furcht und Elend des III. Reichs, erste Fassung von Leben des Galilei
1939: Der gute Mensch von Sezuan, Mutter Courage und ihre Kinder
Svendborger Gedichte (entlarven den Nationalsozialismus und rufen zur Solidarität mit den Unterdrückten auf)

April 1939 Brecht und seine Familie, begleitet von Ruth Berlau und Margarete Steffin, ziehen weiter nach Schweden, da die Kriegsgefahr aus Deutschland immer größer wird.

1940 besetzt die Wehrmacht Dänemark und Norwegen. Brecht flüchtet weiter nach Finnland, wo er wegen Problemen mit dem Visum ein Jahr verweilen muss.
Hier schreibt er Herr Puntila und sein Knecht Matti in Zusammenarbeit mit der finnischen Schriftstellerin Hella Wuolijoki und außerdem die Hitler-Satire Der Aufstieg des Arturo Ui.

1941 gelingt über Moskau und Wladiwostock endlich die Ausreise in die USA, wo Brecht sich an der Westküste in Santa Monica ansiedelt.
Schriftstellerisch folgen die sechs unergiebigsten Jahre für Brecht. Mit der Profitorientierung einer hochkapitalistischen Gesellschaft und mit der englischen Sprache hat er Probleme.

1944 Der Kaukasische Kreidekreis
Nach Kriegsende reist er zurück nach Europa und lässt sich in Zürich nieder. Hier kommt es zum Wiedersehen mit Caspar Neher und neuen Bekanntschaften, unter anderem mit Max Frisch. Brecht erhält viele Möglichkeiten zu eigenen Regiearbeiten und erarbeitet sein Kleines Organon für das Theater, ein Leitfaden für das Epische Theater.

Zurück in Deutschland

Bald zieht es Brecht dennoch wieder nach Berlin. Im Osten der Stadt baut er zusammen mit Helene Weigel eine eigene Theatertruppe auf.

12. November 1949 offizielle Eröffnung des Berliner Ensembles, zunächst am Deutschen Theater, später dann im eigenen Haus am Schiffbauerdamm. Hier existiert dieses berühmte Theater immer noch.

Theaterhaus des Berliner Ensemble
(c) Bonzo*

Politisch entwickelt Brecht dem Sozialismus der DDR gegenüber eine „kritische Loyalität“ (Kittstein). Er begrüßt den Versuch eines sozialistischen Staates, sieht allerdings auch die Probleme, die sich in der DDR schnell herausbilden.

1950 wird er Mitglied der Deutschen Akademie der Künste in (Ost-)Berlin.

1951 erhält Brecht den Nationalpreis I. Klasse

1953 Turandot oder der Kongreß der Weißwäscher
Abgesehen von diesem Stück konzentriert sich seine Arbeit in den folgenden Jahren aber auf die Theaterpraxis. Er bearbeitet unter anderem fremden Stücken für das BE.
Außerdem schreibt er zahlreiche Gedichte (u.a. die Buckower Elegien).

1955 erhält er den Stalinpreis in Moskau

14. August 1956 stirbt Bertolt Brecht in Berlin an einem Herzinfarkt.

Wichtige Werke (was man kennen sollte)

Dramen

  • Trommeln in der Nacht (1919)
  • Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (1927-1929)
  • Die Dreigroschenoper (1928)
  • Die heilige Johanna der Schlachthöfe (1929)
  • Das Leben des Galilei (1938-1939)
  • Mutter Courage und ihre Kinder (1939)
  • Der gute Mensch von Sezuan (1939)
  • Der kaukasische Kreidekreis (1944)

Lyrik

  • Bertolt Brechts Hauspostille (1916-1925)
  • Svendborger Gedichte (1934-1938)
  • Buckower Elegien (1953)

Theorien

  • Kleines Organon für das Theater (1944)
  • Über experimentelles Theater (1939)

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